Wald in Köln

Der Kölner Wald

Ergebnis einer vorausschauenden Grünplanung

Köln, da denken viele an den Dom und Karneval, aber nicht an Wald. Gemessen an Städten wie Nürnberg oder Freiburg hat Köln keine lange Waldtradition. Die Wälder im heutigen Stadtgebiet wurden schon zur Zeit der Römer für den Ackerbau gerodet. Lediglich der Königsforst wurde als herrschaftliches Jagdgebiet von der Rodung verschont. Die Stadt Köln verfügte deshalb bis Ende des 19. Jahrhunderts über keinen nennenswerten Waldbesitz. Erst mit der Industrialisierung und der damit einhergehenden Bevölkerungszunahme wuchs der Bedarf nach wohnungsnahen Erholungsflächen. Um das Bedürfnis nach Erholung in einer waldartigen Umgebung zu erfüllen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Köln-Lindenthal der 100 Hektar große „Stadtwald“ angelegt. Mit dem „Stadtwald“ wurde erstmals ein neuer, den städtischen Bedürfnissen angepasster Waldtyp geschaffen, der nicht zur Holzproduktion, Brennholznutzung oder Jagd diente, sondern ausschließlich zur Erholung der Bevölkerung. Der Stadtwald war die Keimzelle für die Waldentwicklung in Köln und für das heutige Verständnis von urbaner Waldwirtschaft in der Großstadt.

Ohne eine vorausschauende Grünplanung wäre die weitere systematische Vermehrung der Waldfläche im urbanen Raum nur mit großen Schwierigkeiten zu verwirklichen gewesen und hätte kaum zum Erfolg geführt. Ausgangspunkt der nächsten Waldvermehrungsphase war daher der Äußere Grüngürtel, der in den 1920er Jahren auf der Fläche des ehemaligen Festungsgürtels angelegt wurde. Damals wurden 400 Hektar aufgeforstet. Während in anderen Städten nach dem 2. Weltkrieg Wald für städtebauliche Zwecke geopfert wurde, ging Köln in seiner Grünpolitik den entgegengesetzten Weg. Mitte der 1950er Jahre begann die Forstverwaltung ein großes Aufforstungsprogramm. Auch diesmal war das Kölner Grünsystem mit dem Äußeren Grüngürtel der wichtigste Anknüpfungspunkt.

Bei allen Planungen zur Waldvermehrung spielten Aspekte der Holznutzung oder Einnahmenerzielung keine Rolle. Ausschließlicher Beweggrund war die Schaffung von Erholungswäldern und von Schutzwäldern. Konrad Adenauer beschrieb bereits in seiner Denkschrift zur Anlage des Äußeren Grüngürtels die Notwendigkeit von Schutzwäldern, um die Stadt vor den Abgasen der Braunkohleindustrie zu schützen. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit und die damit einhergehenden Umweltbelastungen machten es nun dringend erforderlich Waldflächen auch zur Verbesserung der Umweltqualität in der Stadt anzulegen.

Allein Im Zeitraum von 1956 bis 1965 wurden 1.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen aufgeforstet. Dabei wurden die Lücken des Äußeren Grüngürtels geschlossen, der südliche Grüngürtel erweitert und der Forstbotanische Garten begründet. An Industrieanlagen und entlang der Autobahnen wurde Wald zum Sicht- und Immissionsschutz angelegt. Im rechtsrheinischen Stadtgebiet, wo das ringförmige Grünsystem aufgrund der Struktur der Siedlungsflächen nicht ausgeprägt war, wurde Privatwald angekauft und durch Wege, Ausstattung mit Erholungseinrichtungen und Anlage von Wildgehegen für die Erholungssuchenden erschlossen. Eine besondere Rolle bei der Waldvermehrung spielten die städtischen Wasserwerke (heute RheinEnergie AG), die große landwirtschaftliche Nutzflächen in den Wasserschutzzonen für die Aufforstung bereitstellten. Das „Waldsterben“ löste eine weitere Aufforstungskampagne aus, die das Ziel hatte als Ausgleich für die Waldschäden neuen Wald zu schaffen.

Die Orientierung am städtischen Grünsystem führt dazu, dass die Aufforstungen weitgehend systematisch erfolgten und dort ansetzen, wo Wald eine Ausweitung bestehender Grünzüge ermöglichte. Daraus entstand eine ringartige Anordnung der Waldflächen entlang von Verkehrswegen, in enger Verzahnung mit der Bebauung. Im Gegensatz zu arrondierten Waldflächen führt diese Struktur allerdings heute zu einem hohen Pflegeaufwand, insbesondere zur Verkehrssicherung.

Wald genießt durch die Forstgesetzgebung einen besonderen Schutz. In den vergangenen Jahrzehnten mussten Waldflächenverluste zwar aufgrund der städtebaulichen Entwicklung hingenommen werden. Da bei Eingriffen in den Wald aber immer mindestens ein flächenmäßiger Ersatz im Verhältnis 1:1 erfolgte, der meist durch zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen höher war, wuchs die Waldfläche trotz der unvermeidbaren Waldverluste weiter. An der Waldflächenentwicklung Kölns wird damit deutlich, dass Stadtwälder aufgrund ihrer gesetzlich verankerten Wertschätzung, einen nachhaltigen Beitrag zur Freiraumsicherung leisten können.

Bei den Aufforstungen wurden artenreiche Laubmischwälder aus heimischen Baumarten angestrebt. Der städtische Wald besteht heute zu 80 % aus Mischbeständen, in denen die heimischen Laubholzarten Buche, Eiche und die Edellaubholzarten Linde, Esche, Vogelkirsche und Ahorn überwiegen. Die Waldbewirtschaftung orientiert sich an den Grundsätzen einer naturnahen Waldpflege mit dem Ziel, möglichst stabile, artenreiche und strukturreiche Erholungswälder für die Bevölkerung zu entwickeln. Der städtische Wald wird seit 2001 nach den Prinzipien des FSC® bewirtschaftet. Während die Aufforstungen zunächst nicht an Ertragserwartungen geknüpft wurden, konnten durch das schnelle Wachstum auf den nährstoffreichen Böden schon frühzeitig Erträge aus Holzverkäufen erzielt werden. In den letzten 10 Jahren ist aufgrund steigender Energiekosten die Nachfrage der Bürger nach Brennholz enorm gestiegen und führt zu einer besseren Akzeptanz notweniger Waldpflegemaßnahmen. Da die Pflege von Waldflächen wesentlich geringeren Aufwand erfordert als die Pflege von Parks und Grünanlagen, konnten durch die Aufforstung kostengünstige Erholungsflächen geschaffen werden, die Erträge abwerfen. In Zeiten knapper kommunaler Kassen ein nicht zu unterschätzender Vorteil, den Waldflächen gegenüber Grünflächen haben.

Die Stadt Köln besitzt heute rd. 4000 Hektar Wald, das sind zwei Drittel der insgesamt 6000 ha Wald im Stadtgebiet. Köln gehört daher zu den größten kommunalen Waldbesitzern in Nordrhein-Westfalen. Mit einem Flächenanteil von 15 % am Stadtgebiet unterschreitet die Bewaldung in Köln zwar deutlich den Bundes- und Landesdurchschnitt, ist aber im Verhältnis zu anderen Verdichtungsräumen an Rhein und Ruhr überdurchschnittlich hoch (Bochum 8%, Duisburg 8%, Düsseldorf 11%, Essen 12%).

Das Kölner Waldlabor

Das neueste Kölner Aufforstungsprojekt fällt aus dem Rahmen der bisher üblichen Aufforstungen. Während sich die Waldvermehrung in der Vergangenheit am städtischen Grünsystem orientierte, kommen nun auch Überlegungen hinzu, die eine Ausweitung des Grüns in die Region vorsehen. In diesem Kontext ist die Anlage des Kölner Waldlabors zu sehen. Das Projekt entstand im Rahmen der RegioGrün Planung der Regionale 2010. Die Regionale ist ein Instrument des Landes Nordrhein-Westfalen zur Bündelung strukturrelevanter Fördermaßnahmen. Im Rahmen des Projekts RegioGrün werden Freiraumkorridore entwickelt, welche ausgehend von den Kölner Grüngürteln in radialer Ausprägung die Erftaue und die bewaldete Ville erreichen. Diese Landschaftselemente bilden somit einen dritten Grüngürtel.

Das Waldlabor ist mit einer Fläche von 25 Hektar Teil des grünen Freiraumkorridors „Zwischen schnellen Wegen“, der den Äußeren Grüngürtel entlang der Autobahn A 4 mit der Ville verbinden soll. Die Erarbeitung des Raumkonzeptes wurde von der Stiftung „Lebendige Stadt“ finanziell gefördert und vom Landschaftsarchitekturbüro „Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Stuttgart“ ausgearbeitet.

Schon der Name „Waldlabor“ macht deutlich, dass es sich um ein Experiment handelt. Das Waldlabor macht neugierig. Es wirft Fragen auf, schafft Interesse in der Öffentlichkeit und  bietet dadurch ideale Möglichkeiten zur Kommunikation und Diskussion über neue Themen des Waldes im urbanen Raum.

Der Begriff Waldlabor wurde an der Universität von Alnarp (Schweden) geprägt. Dort wird mit der Anpflanzung von Gehölzen experimentiert. Im Vordergrund steht die räumliche und gestalterische Wirkung unterschiedlicher Gehölzarten, in unterschiedlichen Pflanzmustern und Kombinationen. Das Kölner Waldlabor geht über den gestalterischen Aspekt weit hinaus. Das Konzept greift Aspekte auf, die geeignet sind, die verschiedenen Funktionen von Wald im suburbanen Bereich exemplarisch und auch experimentell darzustellen. Es bietet hierzu vier Waldformen an:

Einen „Energiewald“ in Form einer Kurzumtriebsplantage aus schnell wachsenden Baumarten, die alle 3 – 5 Jahre für eine Energieernte „auf den Stock“ gesetzt werden, so dass sich über die Jahre ein rhythmisches Auf und Ab der Gehölze ergibt. Die Plantage ist mit Wegen und Sichtschneisen erschlossen, so dass sich ändernde Raumerlebnisse auch von den Besuchern unmittelbar wahrgenommen werden. Der Energiewald soll exemplarisch Möglichkeiten zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe aufzeigen. Es soll aber auch getestet werden, in welcher Weise der Kurzumtrieb das Landschaftsbild verändern wird und inwieweit dies auf Akzeptanz bei der Großstadtbevölkerung stößt.

In die Kurzumtriebsplantage fügt sich als eine weitere Komponente des Labors der Klimawald aus so genannten „Einart-Hainen“ ein. Er besteht aus quadratischen Gehölzflächen von 50 m mal 50 m, die von einer Baumart geprägt werden. Dafür wurden Baumarten ausgesucht, die angesichts des Klimawandels zu einer Bereicherung der hiesigen Stadtwälder beitragen können. Mit der Anpflanzung von Waldbaumarten, die nach heutiger Erkenntnis geeignet sind der Klimaerwärmung standzuhalten, wird ein Experimentierfeld geschaffen, das wegen der Klimawandelproblematik auf Interesse der Öffentlichkeit stößt.

Dies gilt auch für die dritte Komponente, den „Wandelwald“, der das Waldlabor im Norden rahmt. Er besteht aus  Baumfeldern mit verschiedenen Baumarten, die in einander fließen, so dass sich kontinuierlich neue Waldeindrücke ergeben. Diesen Wandel können Besucher auf einem Pfad erfahren, der den Wandelwald in seiner Längsrichtung erschließt. Der ästhetische Aspekt von Wald und seiner Erholungsfunktion wird hier in den Vordergrund gestellt.

Ein Spazierweg bindet das Waldlabor an das vorhandene Wegenetz und den südlich gelegenen „Wildniswald“ an. Hier ist eine Initialaufforstung mit standortgerechten Gehölzarten vorgesehen, die der ungelenkten Waldentwicklung überlassen wird, um einen Eindruck zu vermitteln, wie sich unbewirtschaftete Waldflächen entwickeln.

Die Waldkomponenten wurden mit breiten extensiv gepflegten Wiesenflächen gegliedert, so dass sich zwischen den Waldparzellen immer wieder Ausblicke nach Südwesten auf die Autobahn und den am Horizont liegenden Höhenzug der Ville ergeben.

Baumarten im Waldlabor

Die große Bedeutung von Wald in Bezug auf den Klimawandel wurde durch das Wuppertal Institut am Beispiel des Konzeptes RegioGrün untersucht. Demnach werden durch die Anlage von Wäldern und Gehölzbeständen im Rahmen der Umsetzung von RegioGrün bis zu 4.200 Tonnen Kohlendioxid jährlich gebunden. Neben dem Ziel der konkreten Reduzierung von Kohlendioxid steht die Strategie der Anpassung des Waldes an den Klimawandel im Vordergrund. Im Rahmen des Waldlabors soll der Frage nachgegangen werden, welche Waldbaumarten heute gepflanzt werden müssen, um für die Zukunft einen gesunden und stabilen Wald zu entwickeln.

Um diese Frage zu beantworten wurde Herr Prof. Andreas Roloff, Universität Dresden, mit der Expertise beauftragt Waldbaumarten für Wald im Klimawandel im Raum Köln vorzuschlagen. Aufgrund einer Analyse von Verbreitungsgebieten und Klimadiagrammen sowie das Einschätzen des physiologischen und ökologischen Potentials einer Art wurden 12 Baumarten ( Sandbirke, Spitzahorn, Winterlinde, Hainbuche, Esskastanie, Elsbeere, Mehlbeere, Flaumeiche, Vogelkirsche, Walnuss, Robinie, Küstentanne) vorgeschlagen, die für eine zukünftige Verwendung nach heutigem Kenntnisstand gut bis sehr gut geeignet sind und deshalb in einem "Klimawald" Berücksichtigung finden sollten. Dabei wurden sowohl einige relativ häufige heimische Baumarten ausgewählt, aber auch einige bislang seltener verwendete sowie nicht heimische Arten. Zudem wurde der Aspekt der Stadtnähe mit berücksichtigt. Nicht nur die waldbauliche Eignung sollte die wichtige Funktion dieser Klimawald-Baumarten sein, sondern auch ästhetische Gesichtspunkte einen hohen Stellenwert haben. Aus der Palette der vorgeschlagenen Baumarten wurden für die Einart-Haine des  Klimawaldes Elsbeere, Mehlbeere, Flaumeiche, Walnuss und Küstentanne ausgewählt. Im Wandelwald werden Sandbirke, Esskastanie, Elsbeere, Vogelkirsche, Küstentanne und auch Douglasie, Eibe und Feldahorn verwendet.

Die Baumarten des Energiewaldes wurden aufgrund der Empfehlung von Experten, die bereits Erfahrungen mit der Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen gesammelt hatten, ausgewählt. Um die unterschiedliche Eignung von Sorten unter Kölner Standortbedingungen zu testen, wurde auch auf dieser Fläche eine breite Palette von Balsampappel-, Schwarzpappelhybriden und Weidensorten gepflanzt. Eine Teilfläche wurde mit Esskastanie, Robinie und Flatterulme aufgeforstet, um eine niederwaldartige Bewirtschaftung mit längeren Umtriebszeiten zu testen.

Eine exotische Besonderheit stellen die Anpflanzungen von Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) dar. Diese asiatische Baumart wird aufgrund ihres schnellen Wachstums für Energieholzplantagen, auch unter unseren Klimabedingungen empfohlen. Im Waldlabor wurde ein Sortenversuch angelegt und ein Einart-Hain mit dieser Baumart gepflanzt.

Realisierung

Die Verwirklichung des Projektes erfolgte in verschiedenen Schritten. Zunächst galt es Akzeptanz für das Projekt sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Politik zu gewinnen. Darüber hinaus stand von vornherein fest, dass auch gleichzeitig um finanzielle Unterstützung geworben werden musste, denn öffentliche Finanzmittel standen nicht zur Verfügung. Der alljährlich wiederkehrende „Tag des Baumes“ bot die erste Gelegenheit, das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und gleichzeitig erste Kontakte zu möglichen Sponsoren zu knüpfen. Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters fand am 25. April 2008 ein Pressetermin auf der Waldlaborfläche statt, bei dem der „Baum des Jahres“, die Walnuss, gepflanzt wurde. Durch das große Presseecho konnte das geplante Waldprojekt in die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Entscheidend für die Verwirklichung war das große Interesse auf das das Projekt bei den Bürgerinnen und Bürgern stieß. Grundsätzlich gibt es in Köln eine große Bereitschaft für Baumpflanzungen zu spenden. Nun stand eine geeignete Fläche dafür zur Verfügung. Es bot sich an Teile des Waldlabors über ein breit angelegtes Spendenkonzept umzusetzen. Dazu erarbeitete das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen das Konzept „Ein Wald für Köln“, mit dem der „Wandelwald“ in mehreren Bauabschnitten umgesetzt wird. Gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. wird allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geboten, die Anlage des Waldes mit einer Spende zu unterstützen. Ein Quadratmeter Wald kostet vier Euro, für 150 Euro gibt es 25 Quadratmeter Wald und ein Messingschild mit dem Namen des Spenders, dem Anlass für die Spende und der Größe des gesponserten Waldstücks. Die Stadt Köln bringt die Schilder an Holz-Stelen an, die sie in den Hainen des neuen „Wald für Köln“ aufstellt.

Die Aktion wurde im Herbst 2009 gestartet und hat eine große Resonanz gefunden. Seit dem haben Bürgerinnen und Bürger rd. 50.000 € für die Anlage des neuen Waldes im Waldlabor gespendet. Mit den Spenden konnten bis Ende 2011 drei Hektar aufgeforstet werden. Insgesamt nahmen mehr als 350 Personen an Pflanzaktionen teil, bei denen sie selber Bäume pflanzen konnten.

Das große bürgerschaftliche Engagement war auch ein wesentlicher Grund für die Unterstützung des Projektes durch die Toyota Deutschland GmbH und die RheinEnergie AG. Die beiden Firmen finanzierten die Einart-Haine des Klimawaldes und den Energiewald. Den Sponsoren wird mit dem  Waldlabor ein Forum geboten, um ihre Bemühungen für den Umweltschutz einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit den Sponsoren war von Anfang an auf ein langfristiges Engagement ausgerichtet. Dazu wurde ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der eine enge Abstimmung zwischen den Projektpartnern vorsieht. Gemeinschaftlich wurde ein Logo und ein Corporate Design entwickelt, das Grundlage für einen einheitlichen Projektauftritt ist. Durch die Zusammenarbeit mit den PR- Experten der Firmen konnten Schilder gestaltet und die Webseite www.koeln-waldlabor.de eingerichtet werden, die von einer renommierten Werbeagentur gestaltet wurde. Die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort wird von der städtischen Forstverwaltung durch regelmäßige Führungen unterstützt. Ein Forschungsprojekt zur Energiewaldnutzung des Fachbereichs nachwachsende Rohstoffe der Universität Bonn wurde in das Projekt eingebunden.

Nachdem die landwirtschaftliche Nutzung beendet war, wurde im Herbst 2009 zunächst mit der Anlage der Rundwege begonnen. Im März 2010 begann die Aufforstung. Am 21. März 2010, dem „Internationalen Tag des Waldes“, trafen sich Hunderte von Menschen zur Einweihung und großen Pflanzaktion. Mit dabei waren auch der Oberbürgermeister der Stadt Köln, der Präsident der Toyota Deutschland GmbH und der Vorstandsvorsitzende der RheinEnergie AG. Im April 2010 wurde dann der Energiewald angelegt. Die verschiedenen Weiden und Pappelsorten wurden als ca. 20 cm lange Steckhölzer mit einer Pflanzmaschine in den Boden gesteckt. Zum „Tag des Baumes“ am 25. April 2010 konnte ein weiterer Abschnitt des Wandelwaldes eingeweiht werden. Bettina Böttinger und Frank Schätzing pflanzten gemeinsam mit Klimabotschaftern der Aktion „Plant for the Planet“ Vogelkirschen, den „Baum des Jahres 2010“. Nachdem weitere Spenden gesammelt wurden, konnte im November 2010 und 2011 die nächsten Abschnitte des Wandelwaldes aufgeforstet werden. Auch diesmal nahmen viele vom Projekt begeisterte Menschen, Familien und Kinder an den Pflanzaktionen teil. Das Kölner Waldlabor ist damit ein sichtbares Zeichen des bürgerschaftlichen Engagements für den Wald in Köln.

Markus Bouwman

Stadt Köln
Amt für Landschaftspflege und Grünflächen
Forstverwaltung

Willy-Brandt-Platz 2

50679 Köln


Quelle: W. Klosterhalfen

In: 100 Jahre stadtkölnisches Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Stadt Köln (Hrsg.), 1975, S.61

Die Entwicklung des städtischen Waldbesitzes

Wie in anderen Ballungsräumen war auch in Köln die Zunahme der Bevölkerungsdichte, die Ausbreitung der Industrie und das Anwachsen des Verkehrs mit zahlreichen negativen Auswirkungen verbunden. Die Stadt Köln war frühzeitig bemüht, diesem Verlust an Lebensqualität für ihre Bürger entgegenzuwirken. Als wirksames Mittel erwies sich die Förderung des stadtnahen Waldes, wie sie bereits nach dem ersten Weltkrieg unter dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Adenauer tatkräftig in Angriff genommen wurde. Einprägsam ergibt sich aus der Entwicklung des städtischen Waldbestandes von 1921 bis 1931, weiche Bedeutung bereits damals dieser Aufgabe beigemessen wurde:

Jahr           ha

1921          422

1922          422

1923          422

1924          477

1925          564

1926          564

1927          602

1928          809

1929          825

1930          829

1931          829

 

Besonders hervorzuheben ist in dieser Zeit die Schaffung wesentlicher Teile des Äußeren Grüngürtels, der nach seiner Konzeption das linksrheinische Köln vom Rhein bis zum Rhein ringförmig umschließen sollte.

Der stadtnahe Wald ist Ort der Erholung und des Ausspannens für die Bevölkerung; er verhindert Bodenerosion und regelt den Wasserhaushalt der Natur; er absorbiert Luftverunreinigungen der Industrie und des Straßenverkehrs; er dämpft Lärm und Geräusche und schützt gegen radioaktive Strahlungen.

Nach dem zweiten Weltkrieg bereitete die Stadt in Erkenntnis der kommenden Entwicklung ein weiteres großes Aufforstungsprogramm vor, mit dessen Durchführung im Jahre 1956 begonnen werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Größe des städtischen Waldbesitzes auf inzwischen 618 ha geschrumpft. In der folgenden Zeit wurden in jedem Jahr große städtische Flächen freigestellt und aufgeforstet, so daß der städtische Waldbestand bis heute mehr als vervierfacht werden konnte, Ende 1973 betrug er über 2700 ha.

Bei den neueren Aufforstungen wurden vorwiegend rauchharte Laubhölzer angepflanzt, da diese geeignet sind, schädliche Dämpfe und Abgase zu absorbieren und einer Verseuchung der Luft in den Wohngebieten entgegenzuwirken. Aus Gründen der Landschaftsgestaltung und zur Belebung des Bildes in der Winterzeit wurden in großer Zahl immergrüne Nadelgehölze eingesprengt.

Im Süden Kölns wurde durch die Fortsetzung des Äußeren Grüngürtels bis zum Rhein eine wirksame Abschirmung gegen die petrochemische Industrie des Wesselinger Raumes erreicht und zugleich für die Bevölkerung ein neues Erholungsgebiet von über 270 ha Größe geschaffen. Auch im Westen und Nordwesten macht die Schließung des Äußeren Grüngürtels, ausgehend von Anpflanzungen entlang der Straßen, gute Fortschritte.

Im Rheinvorland bei Merkenich konnte durch umfangreiche Aufforstungen eine Fortsetzung des Fühlinger-Wäldchens nach Norden geschaffen werden. Große Waldflächen entstehen im Gebiet der Neuen Stadt Köln-Chorweiler. Besondere Erwähnung verdienen hier das Erholungsgebiet um den Fühlinger See und die oft mehr als 100 m breiten Aufforstungsstreifen beiderseits der Neußer Landstraße, welche als Schutzzonen der Wohnbezirke gegen die östlich und südöstlich angesiedelte chemische Industrie dienen. Den Forstkulturen in der Umgebung des Wasserwerkes Weiler wird wesentliche Bedeutung als Erholungswald für die künftige Bevölkerung der Neuen Stadt zukommen. Im rechtsrheinischen Raum bestand die Notwendigkeit, für die Bewohner der industriereichen Gebiete von Kalk und Mülheim ein angemessenes Erholungsgebiet zu schaffen. Hierzu wurde in Vingst städtisches Gelände in Größe von 30 ha aufgeforstet, das zusammen mit dem angrenzenden Gremberger Wäldchen ein Waldgebiet von 100 ha bildet.

Zu einer der Hauptaufgaben der Aufforstung haben sich wegen der enormen Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs die Autobahnabpflanzungen entwickelt. Diese Waldstreifen bieten wirksamen Schutz gegen Abgase und Verkehrslärm. Im Interesse der Bevölkerung werden auch die Bahnkörper der Vorortbahnen in Aufforstungsstreifen eingebettet.

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Stadt auch der Bepflanzung ihrer mit Müll verfüllten ehemaligen Kiesgruben. Die Aufforstung beseitigt die Verschandelung des Landschaftsbildes und gibt auch diesen Flächen des Stadtgebietes eine sinnvolle Bestimmung.

Im Rahmen des Aufforstungsprogramms 1962/1963 hat die Stadt Köln im Süden des Stadtgebietes als bemerkenswerte Attraktion den Forstbotanischen Garten geschaffen. Auf 5 ha größtenteils brachliegenden Geländes entstand ein kostbarer Anschauungsgarten, der nicht nur Schulklassen und interessierte Bürger, sondern auch zahlreiche Fachleute von nah und fern anlockt. Er zeigt soweit als möglich alle Holzgewächse der nördlichen gemäßigten Zone. Zentrum ist eine herrliche Rhododendrenschlucht.

Bei ihren Neuaufforstungen ist der Stadt in glücklicher Weise die Verbindung aller Aufgaben ihres Waldes gelungen: Alle Zweck‑ und Schutzpflanzungen stellen gleichzeitig öffentliche Grünanlagen dar, in denen die erholungsuchende Bevölkerung ausspannen kann. In zahlreichen Aufforstungsflächen sind Spazier- und Wanderwege angelegt worden. Hunderte von Sitzbänken laden zu kurzem Aufenthalt und zum Ausruhen ein. Zahlreiche Schutzhütten, an markanten Punkten aufgestellt, bieten Zuflucht bei Wind und Wetter.


Auswahl Bücher und Veröffentlichungen zum Kölner Grün

Stand: 31.05.2012

Allgemeine Grundlagen:

  • Adams, W.; Bauer, J.: Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün. Köln 2001. Bachem Verlag
  • Meynen, H.: Die Kölner Grünanlagen. Düsseldorf 1979. Schwann Verlag (Antiquariat)
  • Schneider, E.: Der Waldpark. Ideen und Erscheinungsformen in Deutschland zwischen 1880 und 1935. Remagen-Oberwinter 2011. Kessel Verlag
  • Schumacher, F.: Köln. Entwicklungsfragen einer Groszstadt. Köln 1923 (Antiquariat)
  • Vogelsang, R.; Lutum, R.: Joseph Clemens Weyhe. Ein rheinischer Gartenkünstler. Düsseldorf 2011. Grupello Verlag

 

Führer zu Grünanlagen:

  • Bastian, H. V.; Kremer, B. P. etal.: Kölner Natur Führer. Köln 1990. Wienand Verlag
  • Barke, R.: Reisen in die Heimat. Köln. Köln 2010. Bachem Verlag
  • Clark, R.: Gartenreiseführer. München 2008. Callwey Verlag
  • Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Gärten & Parks im Rheinland. Köln 2007. Wienand Verlag
  • Machnik, S.: Kölnpfad. Der Kölner Rundwanderweg. Kölner Eifelverein (Hrsg.). Köln 2008. Bachem Verlag
  • Schröer, C. F.: Die schönsten Gärten und Parks im Rheinland. Köln 2005. Bachem Verlag
  • Sticht, H.M.: Natur- und Kulturführer Wahner Heide. Düsseldorf 2005. Gaasterland Verlag
  • Zey, R.: Parks in Köln. Ein Führer durch die Grünanlagen. Köln 1993. Greven Verlag
  • Zimmermann, P. S.; Krieger, K.: Das Kölner Stadtgrün. Duisburg 2009. Mercator Verlag

 

Bücher zu bestimmten Grünanlagen und Gärten:

  • Abt, J.; Beines, J.R.; Körber-Leupold, C.: Melaten. Kölner Gräber und Geschichte. Köln 1997. Greven Verlag
  • Abt, J.; Vomm, W.: Der Kölner Friedhof Melaten. Köln 1980. Greven Verlag
  • Bauer, J.; Klien-Meynen, D.; Meynen, H.: Garten am Strom. Der Rheinpark in Köln. Köln 2007. Bachem Verlag
  • Bermbach, G.: Die Flora zu Köln am Rhein. Landeskonservator Rheinland (Hrsg.), Arbeitsheft 29. Köln 1991, Rheinland Verlag
  • Brokmeier; J.: Die goldene Ecke von Köln. Erfurt 2009. Sutton Verlag
  • Brügelmann, J.; Wassong, T.; Quanz, D. R.: 50 Jahre Marienburger Golf-Club. Köln 2003. Köllen Druck Verlag
  • Demirci, A.: Melaten. Mythos und Legenden. Köln 1996. Wienand Verlag
  • Große, W.; Haeming, H.; Sanden, D.: Der Fühlinger See. Förderverein Fühlinger See Köln e.V. (Hrsg.). Münster 2005. Monsenstein und Vannerdat Verlag
  • Kruse, R.: Der Erzbergerplatz und der Schilplatz. Köln 1995. Edition Nippes
  • Lammerting, K.: Ein englischer Garten in Köln. Köln 2002. Dumont Verlag
  • Lammerting, K.: Knotengärten. München 2008. BLV Buchverlag
  • Rick, D.: Melaten. Gräber erzählen Stadtgeschichte. Köln 2006. Emons Verlag